Ausgabe
12
2011




Wie viel ist zu viel?

Bei der Treibstoffeffizienz hat die Autoindustrie gewaltige Fortschritte gemacht. Dennoch sind die Verbrauchsangaben der Hersteller im Alltag nur in den seltensten Fällen zu erreichen. Ein Missverständnis oder gar ein böses Spiel?

Die europäischen Verbraucherschutzverbände testen Kühlschränke, Mobiltelefone, Wasserenthärter, Holzöfen - und natürlich Autos. Rund 120 Fahrzeuge werden jährlich unter anderem in Hinblick auf ihren Spritverbrauch unter die Lupe genommen. Dabei gebe es zum Teil eklatante Unterschiede zu den Werksangaben, berichtet Ing. Rudolf Heintzl, Experte beim Verein für Konsumenteninformation (VKI): "Je kleiner die Autos sind, desto größer sind die Differenzen."

Laut dem VKI liegen die tatsächlichen Verbräuche um 20 bis 30 Prozent über den Herstellerangaben. Derartige Werte lassen manche Konsumenten vor den Richter ziehen.

Urteile mit Vorbildwirkung

Österreichische Urteile in Sachen Normverbrauch sind vergleichsweise rar, zuletzt endeten zwei Fälle mit Vergleichen. Anders in Deutschland, wo die rechtlichen Voraussetzungen weitgehend gleich sind: Schon 1996 habe der Bundesgerichtshof in Karlsruhe entschieden, dass ein Mehrverbrauch von 13 Prozent "nicht unerheblich" sei, berichtet der Wiener Anwalt Dr. Martin Brenner. Später wurde diese Zumutbarkeitsgrenze auf 10 Prozent gesenkt. Im Juni 2011 urteilte das Oberlandesgericht Hamm, dass ein Mehrverbrauch von 8,45 Prozent nicht zur Rückabwicklung eines Autokaufs berechtige. Sehr wohl handle es sich aber um einen "relevanten Mangel", sodass der betroffene Hersteller zum Ersatz der Spritmehrkosten, zu einer Kaufpreisminderung und zur Übernahme der Prozesskosten verurteilt wurde. Sollte man also eilig vor den Kadi ziehen, wenn im Bordcomputer ein höherer Spritverbrauch aufscheint alsim Verkaufsprospekt? "Nicht so eilig", mahnt Brenner: Zuvor muss erwiesen werden, dass es sich tatsächlich um einen objektiven Mehrverbrauch handelt und nicht bloß um das Resultat rasanter Fahrgewohnheiten. Das erfordert einen Test am Prüfstand, der beispielsweise bei der Technischen Universitätin Wien mit 4.500 Euro netto zu Buche schlägt.

Schönheitsfehler beim Testzyklus

Derartige Nachweise sind wichtig, denn durch die Bank verweisen die Autobauer in ihren Unterlagen darauf, dass der Normverbrauch gemäß des "Neuen Europäischen Fahrzyklus" (NEFZ) ermittelt wurde. Dieser dauert knapp 20 Minuten und besteht aus einem 780 Sekunden langen "City-Zyklus" sowie 400 Sekunden simulierter Überlandfahrt. Die Umgebungstemperatur beträgt während der Messung 20 bis 30 Grad. Ein wesentlicher Vorteil gegenüber dem früher üblichen "Drittel-Mix": Auch Kaltstartbedingungen, die bekanntlich mehr Sprit erfordern, werden erfasst.

Bei anderen Kriterien ist der seit 1996 verwendete NEFZ dagegen weit von der Verkehrsrealität entfernt: Geschwindigkeiten über 120 km/h werden überhaupt nicht berücksichtigt, die im Zyklus durchgeführten Beschleunigungen von 0 auf 50 km/h nehmen endlose 26 Sekunden in Anspruch. Licht, Klimaanlage und weitere verbrauchssteigernde Systeme sind beim NEFZ ausgeschaltet. Kein Wunder, dassKonsumentenschützer wie Heintzl eine Änderung der Testpraxis fordern.

Vorsicht, Steuerfalle!

Tatsächlich arbeitet die EU an einem neuen Verbrauchszyklus. Ein fixes Datum für dessen Einführung steht noch nicht fest, Experten rechnen aber mit einem Zeitfenster zwischen 2015 und 2020. Die neue Norm könnte weltweit gelten, während in den USA und Japan bislang ganz andere Maßstäbe angelegt werden. "Das würde den Weg zu einer weltweit einheitlichen Fahrzeugzulassung erleichtern", meint Dr. Max Lang, Cheftechniker des ÖAMTC.

Der Autofahrerklub warnt aber auch vor einem entscheidenden Nachteil, den ein "realitätsnäherer" Verbrauchszyklus gerade in Österreich haben könnte: Schließlich gibt es hier das europäische Unikum "NoVA", also eine vom Normverbrauch abhängige Steuer. "Bei einem verbrauchsintensiveren Testzyklus müsste die NoVA analog reduziert werden, sonst bedeutet das nichts anderes als eine Steuererhöhung auf Kosten der Autofahrer", gibt Lang zu bedenken.

Bleifuss oder technisches Gebrechen?

"Wann immer wir uns mit diesem Thema beschäftigen, erhalten wir auch Zuschriften von einigen Mitgliedern, die mit ihren Autos die Verbrauchsangaben deutlich unterschreiten", lächelt Lang. Das zeigt: Es liegt im Wesen eines normierten Wertes, dass er von der Praxis abweicht.

Ein guter Anhaltspunkt ist der Normverbrauch aber schon jetzt. Sollte er tatsächlich so signifikant überschritten werden, dass es sich nicht nur um das Resultat einer etwas flotteren Fahrweise handeln kann, sondern ein technisches Gebrechen oder ein Konstruktionsfehler angenommen werden muss, ist der Weg zum zertifizierten Prüfstand ratsam. Ansonsten gilt vor allem eines:Der beste Tester ist der Autofahrer selbst. Schließlich weiß nur er, wie sein Fahrzeug Tag für Tag bewegt wird.











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