May
09
2018


Service

Mobilitätsdienstleister, nicht Autovermieter

Andreas Maske hat knapp 10.000 Fahrzeuge in seinem Fuhrpark, die längerfristig an Firmen der unterschiedlichsten Branchen vermietet werden. Im Exklusivinterview verrät er, welche Vorteile das Mieten gegenüber dem Leasing hat, wie sein Geschäft funktioniert und warum er sich entschieden hat, Elektrotransporter aus China zu importieren.

Herr Maske, 1959 war der Startschuss des Unternehmens durch Ihren Vater mit einem einzigen Auto, einem VW Bulli.

Meine Eltern lebten in einem Ort mit 800 Einwohnern und es gab vier Kaufmannsläden. Einer davon gehörte meinem Vater. Als besonderen Service stellte er größere Einkäufe mit einem VW Bulli zu. Einer dieser Kunden arbeitete bei der Firma Siemens und fragte meinen Vater, ob er sich das Auto tagsüber nicht ausleihen könne. Und damit wurde das erste Auto per Handschlag vermietet, für einen Preis von 20 Pfennig pro Kilometer. Das Unternehmen wurde größer und 1970 musste sich mein Vater dann entscheiden. Wir hatten schon 50 oder 60 Autos und zudem den Kaufmannsladen. Der Kaufmannsladen wurde verpachtet und er hat sich dann auf die Autos konzentriert.



Wie viele Autos gibt es aktuell bei Maske in Deutschland bzw.Österreich im Fuhrpark?

In Deutschland sind es 9.320 Fahrzeuge, inÖsterreich 350. Wir sind also drauf und dran, die 10.000 zu knacken.



Sie haben in Deutschland ja mehrere Niederlassungen und inÖsterreich eine, wie genau funktioniert Ihr Geschäft?

Wir haben in Deutschland elf Mietcenter, in Österreich aktuell eines in Wien. Wir planen, in Wien einen Werkstattbetrieb anzuhängen. Unser Kunden sind tagsüber mit ihren Fahrzeugen unterwegs, um Geld zu verdienen, abends schläft das Fahrzeug. Da können wir die Wartung und Reparatur machen, damit er am nächsten Tag wieder auf die Tour gehen kann. Dieser besondere Service, den andere nicht so in der Form bieten, der unterscheidet uns vom Mitbewerb und diese Alleinstellungsmerkmale sind wichtig. Wir sind bestrebt, in Wien einen Musterbetrieb bis Ende 2019 aufzubauen und das Konzept in Österreich auch in den Bundesländern auszurollen. Wir haben auch einen neuen Berufsstand kreiert, den Care-Taker. Das sind Mitarbeiter von uns, die mit einer Warnweste bekleidet jeden Morgen an den großen Liefer-Hubs sind. Zwischen acht und zehn Uhr können unsere Kunden auf die Care-Taker zugehen und ein Problem am Fahrzeug melden. Am nächsten Tag wird das Auto getauscht und er braucht sich um nichts zu kümmern. Auch bei einem Unfall muss gewährleistet sein, dass schnellstmöglich ein Ersatzauto bereitsteht. Unsere Stationen arbeiten nach dem 4D-Prinzip. Wir haben zunächst einmal unsere Logistik, die die Fahrzeuge abholt und wiederbringt. Dann die Wartung der Fahrzeuge und eine 24-h-Hotline. Dann gibt es noch den Vertrieb und bei einigen Stationen als vierte Komponente die Gebrauchtwagenvermarktung, das haben wir auch für Wien geplant. Die Autos werden dann direkt an der Straße präsentiert und verkauft, auch an Privatkunden. Dieses Konzept soll dann in Folge auch in Salzburg ausgerollt werden.


Auf den ersten Blick könnte man vielleicht meinen, dass Maske einfach eine Mietwagenfirma wie Sixt oder Avis sei. Wo liegen die Unterschiede?

Ich muss da ein wenig ausholen. Künftig wird nicht das Auto, sondern die Mobilität im Vordergrund stehen. Meine Söhne zum Beispiel wohnen in der Stadt, wenn die ein Auto brauchen, dann machen sie car2go. Wir sind also gar nicht der Autovermieter, sondern der Mobilitätsdienstleister. Und die gibt es bei uns ab einem Monat, so lang, wie der Kunde es möchte. Und auch mit allem Service drumherum. Warum soll der Kunde zum Service oder Wartungsexperten werden, dafür sind wir die Profis. Er bekommt das Auto seiner Wahl innerhalb weniger Stunden, wir liefern es an seine Haustür und holen es dort auch wieder ab. Man bezahlt entweder nach Kilometern oder nach einer Monatsrate. Diese Langzeitmiete ist in Österreich und Deutschland relativ neu. In England, Frankreich oder Spanien gibt es wirklich große Anbieter, in England etwas über 100.000 Fahrzeuge. Wir sehen daher großes Potenzial, das sieht man auch an den enormen Zuwächsen im Vorjahr. Das sind Leute, die früher die Autos geleast oder gekauft haben. Gerade beim Leasing fehlt die Flexibilität und die braucht ein Unternehmer heute. Wenn man einen Mitarbeiter anstellt, der einen Firmenwagen bekommt, weiß man heute gar nicht, wie lang der Mitarbeiter überhaupt im Unternehmen bleibt. Der Mitarbeiter kann nach einem Jahr gehen, der Leasingvertrag läuft aber drei oder vier Jahre. Und wenn man vorzeitig aussteigt, wird"s richtig teuer. Die Langzeitmiete passt da viel besser ins heutige Bild.


Die vorzeitige Fahrzeugrückgabe ist bei Leasing mitunter ein etwas heikles Thema, was passiert, wenn ich meinen Vertrag bei Maske vorzeitig beende?

Sie können frei wählen. Je länger Sie sich verpflichten, desto günstiger wird es. Angenommen Sie mieten bei uns ein Fahrzeug für zwölf Monate für 400 Euro im Monat. Nach sechs Monaten möchten Sie das Auto vorzeitig retournieren, was kein Problem ist. Sie müssen lediglich den Preisvorteil nachzahlen, den Sie durch die längere Miete pro Monat bekommen haben. Sie zahlen also unterm Strich nur soviel, wie wenn Sie sich ursprünglich für eine Mietdauer von sechs Monaten entschieden hätten. Das ist eine ganz faire Geschichte ohne Beigeschmack. Da gibt es keine versteckten Zusatzgebühren.



Wie läuft die Fahrzeugrückgabe generell bei Ihnen ab?

Wir sehen uns das Fahrzeug genau an, sind aber relativ kulant. Es gibt einen bebilderten Katalog, wo definiert ist, was Schäden und was Abnutzung ist. Wir sind aber besonders kulant, weil das Fahrzeug oft in eine zweite oder dritte Miete geht.


In vielen Firmen ist es ja so, dass sich die Mitarbeiter ihr Fahrzeug selbst konfigurieren, wie funktioniert das bei Maske?

Wir haben zwei Produkte, "Flexirent", wo die Fahrzeuge in ordentlicher Ausstattung sofort verfügbar sind und "Select", wo es möglich ist, drei Kriterien zu selektieren. Zum ersten kann der Kunde sein Fahrzeug wie gewohnt konfigurieren. Die zweite Komponente sind Laufzeit und Laufleistung und die dritte Komponente ist der Umfang des Services. Sie können zum Beispiel die eigene Versicherungwählen oder den eigenen Reifenhändler. Es ähnelt dem Full Service Leasing, sie bleiben aber trotzdem flexibel.



Es ist ja relativ unkompliziert, bei Ihnen zu einem Auto zu kommen, aber kann man mit all diesen Serviceleistungen auch preislich konkurrenzfähig sein?


Absolut! Wir kaufen nicht ein Auto, wir kaufen tausende Fahrzeuge jedes Jahr und bekommen entsprechenden Rabatt, den ein Kunde so nie bekommen würde. Dasselbe gilt auch zum Beispiel bei den Reifen, auch hier kaufen wir tausende pro Jahr. Diese Einkaufsvorteile geben wir zu einem großen Teil an den Kunden weiter und dadurch werden wir auch beim Preis äußerst interessant.



Viele Car Policys sind ja relativ starr, wie schaffen Sie es, mit Ihrem Geschäftsmodell dennoch berücksichtigt zu werden?


Wir haben Spezialisten und einen externen Rechtsanwalt und unterstützen die Firmen dabei, gewisse Strukturen in der Car Policy zu ändern, damit auch die Langzeitmiete darin aufgenommen werden kann. Das funktioniert aber sehr gut. Unser Modell hat zudem den Vorteil, dass in der Car Policy je nach Hierarchieebene ganz einfach ein monatliches Budget festgelegt werden kann, über das der Mitarbeiter verfügt. Bei uns muss er sich dabei nur an der Monatsmiete orientieren.


Wie lang laufen die Autos im Durchschnitt?

Wir gehen nach der Kilometerlaufleistung und die liegt bei 120.000 bis 140.000, was in etwa drei bis vier Jahre entspricht.



Sie haben unterschiedliche Fahrzeuge und Marken im Angebot, was sind die beliebtesten Fahrzeuge?

Im Nutzfahrzeugbereich der Mercedes Vito, im Pkw-Bereich ist es die Kompaktklasse mit Ford Focus, Opel Astra, Seat Leon.


Wie viele Firmen haben Sie aktuell als Kunden und wie lang ist die durchschnittliche Mietdauer?

In Deutschland sind es 1.484, inÖsterreich aktuell 132. Unsere Zielkunden sind kleine und mittlere Unternehmen, im Schnitt ist die Mietdauer 28 Monate in Deutschland und rund 24 Monate in Österreich.


Wer ist Ihr größter Kunde?

Das ist die Firma Minimax, die bei uns über 1.000 Fahrzeuge mietet. Bei Minimax selbst reicht eine Halbtageskraft, um den Fuhrpark zu verwalten, was bei dem Volumen normalerweise unmöglich ist. Dafür sind bei uns drei Mitarbeiter abgestellt, die nur diesen Fuhrpark betreuen.



Wie ist der Mix im Fuhrpark zwischen Diesel und Benzin?

Wir haben rund 80 Prozent Diesel und 20 Prozent Benzin, aber mittlerweile bereits rund zwei Prozent Elektrofahrzeuge, worauf ich sehr stolz bin.



Spüren Sie eine sinkende Nachfrage bei den Dieselautos?

Im Bereich der leichten Nutzfahrzeuge gibt es keineÄnderungen, bei den Pkw sehr wohl. Wir hatten früher fast ausschließlich Diesel, mittlerweile bestellen wir fast 50 Prozent Benziner. Je kleiner das Fahrzeug, desto eher greifen die Kunden zum Benzinmotor. Das sieht man auch bei anderen Autovermietern. Wir sind mittlerweile einer der wenigen, dieüberhaupt noch Diesel anbieten.


Mit dem SAIC Maxus, einem rein elektrischen Lieferwagen, zählen Sie zu den Vorreitern in Europa, die großen Hersteller kommen ja jetzt erst schön langsam. Wie sind Ihre ersten Erfahrungen?

Sehr positiv! Ich hätte mir gewünscht, einen Mercedes Sprinter oder einen VW Crafter mit Elektroantrieb kaufen zu können. Ich habe zuerst den deutschen Markt durchkämmt, da gab es damals aber nur sehr vage Informationen und Preise erst recht nicht. Dann war ich in Frankreich, auch dort war die Situation bei den größeren Nutzfahrzeugen bis 3,5 Tonnen ähnlich. Ich hörte dann, dass es in China solche Autos gibt, vom Maxus laufen weltweit zum Beispiel schon über 5.000, nur in Europa nicht. Wir haben dann verhandelt und 200 Autos bestellt, was mir zugegeben auch ein paar schlaflose Nächte bereitet hat. Vordem Kauf habe ich zwei Prototypen bekommen, die meine Mitarbeiter im technischen Bereich auseinandergenommen haben. Die anfängliche Skepsis wich dann schnell, wir sahen, dass alles grundsolide gebaut war, mit Teilen von Leyland-DAF. Wir haben einige Dinge optimiert wie zum Beispiel die Heizung undhaben dann 200 Autos bestellt. Im März kamen dann die ersten Anmietungen, aktuell haben wir noch rund 100 Fahrzeuge, die wir bis Sommer aber auch vermietet bekommen. Wir haben außerdem massiv in Infrastruktur und die Ausbildung unserer Mitarbeiter investiert, zudem braucht es für die Servicierung Spezialwerkzeug.



Es gibt den Maxus auch zu kaufen, oder?

Das Fahrzeug wird für netto 49.750 angeboten. In Österreich sind aktuell übrigens bereits zehn Autos im Umlauf.



Wie ist das erste Kundenfeedback?

Durchwegs positiv. Die Nachfrage ist gut und noch gibt es kaum Fahrzeuge in diesem Segment. In zwei Jahren reden wir vielleicht gar nicht mehrüber die Chinesen, weil Mercedes und VW schon entsprechende Angebote haben, aber im Moment ist das eben nicht der Fall.



Wie hoch ist der Mietpreis-Unterschied zwischen einem klassischen Dieseltransporter und dem Maxus im Monat?

Der Maxus kommt auf 745 Euro, das Dieselfahrzeug auf 680 Euro. Die Unterhaltskosten sind beim E-Transporter natürlich auch noch einmal günstiger. Ich kann aktuell nur jedem raten, ein solches Fahrzeug zu mieten und nicht zu kaufen. Denn in vier Jahren gibt es andere Technologien und Reichweiten und dann wird der Restwert eines vier Jahre alten elektrischen Lieferwagens ein großes Thema sein.



Wie ist die Nachfrage bei elektrischen Pkw-Modellen?

Wir haben alle gängigen Modelle außer Tesla -hier wäre der Preis für unsere Kunden zu hoch -im Angebot. Ganz tolle Erfahrungen haben wir mit dem Opel Ampera-e, leider haben wir nur sechs Autos bekommen, aber die Thematik ist ja bekannt. Gut nachgefragt ist auch der Nissan e-NV200, wir bieten ebenfalls alle möglichen Last-Mile-Fahrzeuge bis hin zu E-Bikes und E-Rollern, zum Beispiel für Pizzadienste.


(Stefan Schmudermaier)








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