Ausgabe
01
2018




Blech-Tech-Cities

Das Autojahr startete wie immer in Amerika. In Las Vegas gab man sich hochtechnologisch, in Detroit machte die Industrie engstirnig auf muskulös. Die beiden vollkommen verschiedenen Fahrzeug-Shows zeigen die atemberaubende Bandbreite, die verschiedenste Nutzergruppen in den Städten und auf dem Land heute weltweit erwartet.

Detroit Motor City.Über den Lake Michigan pfeift ein eisiger Wind. Downtown verfällt, Backsteinhäuser mit zerborstenen Fensterscheiben dominieren das Bild. Der unterhaltsamste Mann im hässlichen Cobo Center, dem Veranstaltungsort der North American International Auto Show, ist ein Deutscher mit immensem Schnauzbart und Cowboyhut. Im Weißen Haus sitzt jemand, den die halbe Welt nicht mehr ernst nimmt. Auf einem Stand prangt als Begrüßung der Besucher ein Spruch über einem riesigen Pick-up-Truck: "Biggest Bolt in the Industry". Die wichtigste Aussage über den Wagen ist also, dass in ihm die größten Schrauben der Autoindustrie verbaut werden. America, great again? Mitnichten. Die Szene stammt aus dem Jahr 2007, zwei Jahre, bevor Barack Obama Präsident wurde. Sein Vorgänger hieß George W. Bush und die größten Schrauben der Industrie steckten im F150-Pick-up-Truck von Ford, dem meistverkauften Modell in God"s Own Country.

Wie sich die Zeiten dochähneln ...

Mehr als ein Jahrzehnt später, zu Jahresbeginn 2018, ist der Amtsinhaber im Weißen Haus unberechenbarer denn je. Nicht so die US-Autoindustrie. Pick-up-Trucks und mächtige Geländewagen dominieren auch bis heuer das nicht schöner gewordene Cobo Center. Die Innenstadt von Detroit ist nach wie vor eine Geisterstadt. Dieter Zetsche, in der Szene oben der Mann mit dem Schnauzer, ist nicht mehr Chrysler-Chef, sondern Herr über Daimler. Mit Arnold Schwarzenegger präsentiert er den neuen Mercedes G. Die beiden lassen sich fotografieren, während sie einen Schnaps trinken. Und auf dem Stand von GM steht ein Silverado, Nummer zwei der Verkaufsstatistik in den USA (Bild rechts unten). Donald Trumps Blech gewordener feuchter Traum. Seine Leistung: Er ist 200 Kilogramm leichter als sein Vorgänger. Der schwache 3,8 Tonnen wog. Aber im Design "more muscular, more manly", wie ein GM-Manager betonte. In der Eingangshallesteht ein Modell gleich mit einem Schneepflug vorn montiert, "wie wenn er alle Leute gleich wieder hinauszuschieben" scheine, schreibt die "Süddeutsche Zeitung". America, great again! Die ganze Welt redet über Elektroautos und autonomes Fahren. Angeblich. Die nach wie vor wichtigste US-Motorshowzeigt dicke Trucks. Die Top 5 der meistverkauften Autos in den USA waren 2017 nur SUV und Trucks. Die Marge liegt bei diesen metallenen Machtdemonstrationen für den Hersteller mehr als das Dreifache über dem, was er mit einem Kompaktauto mit Stufenheck verdient.

Zwei völlig konträre Events Eine Woche zuvor war noch Tech statt Blech angesagt. Die Consumer Electronics Show (CES 2018) in Las Vegas ist die Messe für Computerspiel-Nerds. Und wird von Jahr zu Jahr mehr dafür genutzt, Technologielösungen und Konzeptautos herzuzeigen. Ein spektakulärer Gegenpol zuden Monstertrucks von Detroit war etwa die E-Palette von Toyota, ein Lieferwagen/Wohnzimmer, ein Glasquader auf Rädern. "Das Geschäft kommt jetzt zu Ihnen", sagt eine Toyota-Managerin und das besondere daran sei: "Niemand muss es zu Ihnen fahren." Toyota betont, dass jede Firma, die diese E-Palette irgendwann in der Zukunft einsetzen wolle, ihr eigenes autonomes Fahrsystem implementieren könnte. Der Unterschied zu Detroit besteht also nicht nur in Elektromotor versus Verbrenner, sondern auch darin, dass die klassische Messe den Fahrer anspricht, die CES hingegen den Mobilitätsnutzer. Es ist sinnbildlich: Die Lebensphilosophien der Stadtbewohner und der Landbewohner werden sich noch weiter auseinander entwickeln.

Die CES ist des Weiteren auch die Plattform für neue Automodelle, teilweise real, teilweise frisch aus dem Wolkenkuckucksheim. "Die CES mutiert langsam zur Las Vegas Auto Show", schreibt dazu auch die Tech-Seite des US-Nachrichtensenders CBS, "CNet".

Fisker und Byton haben Tesla im Visier Ein Paar Beispiele: Der Däne Henrik Fisker, Designer des BMW Z8 und des Aston Martin DB9, hat für Las Vegas ein elektrisches Coupé gebaut, das nicht zwei Flügeltüren hat so wie Teslas Modell S, sondern gleich vier. Tesla und Fisker waren bereits einmal vor Gericht wegen angeblicher Industriespionage. Die Dänen kündigten an, bis 2023 eine Feststoffbatterie auf den Markt bringen zu wollen -Reichweiten von 800 Kilometern sollen damit möglich sein. Die sogenannte Solid-State-Battery soll im Vergleich zu den bisher gebräuchlichen Lithium-Ionen-Batterien eine 2,5 Mal so hohe Energiedichte bieten. Oder: Byton aus China, konstruiert von einer Reihe von abtrünnigen BMW-Technikern, will ebenfalls gegen Tesla, aber vor allem auch gegen BMW, Mercedes, Audi und Porsche im kommenden Markt der E-SUV reüssieren. Der erste Byton (Foto links unten) soll bei den Einstiegspreisen Kampflinie fahren, 45.000 Dollar seien angepeilt. Auffällig im Innenraum ist ein Touchscreen mit 1,25 Meter Breite. Ja, ein Meter und 25 Zentimeter. Laut einem US-Techjournalisten von "The Verge" ersetzt er das klassische Armaturenbrett und ist unterteilt in mehrere Bereiche. "Es ist schwer, wegzusehen" - keine gute Voraussetzung für einen Autoinnenraum, sollte man meinen. Zumindest so lang der Autopilot in den 45.000 noch nicht enthalten ist.

VW kooperiert mit Nvidia VW-Markenchef Herbert Diess war auch auf der CES. Mit nicht viel Neuem. Der neue Jetta, der in Europa gar nicht mehr verkauft wird, wurde in Detroit hergezeigt. Aber er stand mit einem auf und ab tänzelnden Jensen Huang auf der Bühne, dem Gründer und CEO von Nvidia. Der kalifornische Konzern ist Weltmarktführer bei Grafikprozessoren für Spielekonsolen.

Alle Autohersteller sind inzwischen auch Kunden. "To create new cockpit environments and improve safety." Der Star der 2017er-CESübrigens, das Elektro-SUV Faraday FF91, ein Projekt des chinesischen Internetmilliardärs Jia Yueting, wird immer noch nicht gebaut. Sein Erfinder macht indessen Schlagzeilen damit, dass er den Aufforderungen der chinesischen Wertpapierbehörden nicht nachkommt und sich weigert, aus den USA nach China zu kommen, um die Schulden seines Konzerns LeEco zu regulieren.

Amazons Echo kommt ins Auto Weiters neu auf der CES: Aptiv, der jüngst abgespaltene Technologiearm von Delphi Automotive, zeigt gemeinsam mit Uber-Konkurrenten Lyft ein selbstfahrendes Auto, einen mit 20 Sensoren vollgepackten BMW 5. "Langweilig", urteilt CNET, "was eine gute Nachricht ist." Hyundai zeigte den Nexo Fuel Cell EV, die jüngste Generation des Brennstoffzellenantriebs der Koreaner. Kia brachte das Elektro- Konzeptauto Niro. Zu sehen war auch ein weiterer Megatrend, der seinen Weg ins Automobil findet, die moderne Sprachsteuerung à la Echo im Wohnzimmer. Navigationskonzern Garmin hat sich zu dem Behufe auch gleich mit Handelsriesen Amazon, demUnternehmen hinter der Echo-Sprachsteuerung (Schlüsselwort: "Alexa, wie weit ist es bis Maria Alm? Alexa, wird es morgen dort schneien?") zusammengetan und stellte auf der CES das System "Speak Plus" mit damit verbundener Kamera vor (etwa für Kollisionswarnungen).

To Get the Job Done Die anfangs beschriebene Realität aus Detroit spielte aber auch in der Glitzerstadt Las Vegas eine Rolle. Der "plug-in range extended electric pickup" W15 mit BMW-Hilfsmotor, aus Serienteilen clever von der Workhorse Group auf Basis eines Chevy Silverado zusammengebaut, wurde erstmals vor knapp einem Jahr gezeigt. Lithium-Ionen-Batteriezellen von Panasonic böten eine rein elektrische Reichweite von 80 Meilen, während der eingebaute Generator sich während der Fahrt auflade, "to get the job done", heißt es im Amerikanischen. Er fuhr auch auf der CES in Las Vegas, Electric Motor City, vor. Zielgruppe seien laut der Techfirma aus Ohio vor allem fleet operators.











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