Oct
25
2017


Umwelt

Mitten im 16ten …

… gibt es eine kleine Spenglerei, deren innovativer Chef die „größte“ E-Flotte Österreichs betreibt und durch diese sowie seine eigene Stromerzeugung seit fünf Jahren über hundert Tonnen CO2 eingespart hat.

Bereits im Alter von drei Jahren trug er eine Latzhose, auf der „Spenglerei Koch“ stand. Es war Peter Koch also geradezu auf den Leib geschneidert, dass er die Firma des Vaters, die jener 1967 mit einem Mitarbeiter gestartet hatte, übernehmen würde. 1999 war es dann soweit und obwohl Koch seinen Job anfangs mehrmals hinterfragte, wenn er bei 35 Grad auf der Baustelle schmorte, während seine Freunde studierten, baute er die Firma zu einem innovativen Unternehmen aus. Heute beschäftigt die Spenglerei im 16. Bezirk in Wien 28 Mitarbeiter auf der Baustelle und fünf im Büro und betreibt Österreichs „größte“ E-Flotte, denn Koch ist bis heute weniger der passionierte Handwerker als vielmehr der ideenreiche Verkäufer und Innovationsgeist, der gern in die Zukunft denkt.

 

Mit dem Kabel auf der Straße

Kochs richtungsweisendes Denken führte ab 2009 in seinem Unternehmen zu enormen Veränderungen, denen ein Treffen mit seinem Schulkollegen Thomas Polke vom gleichnamigen Autohaus Polke in Mistelbach zugrunde liegt. „Unsere Firmenflotte ist damals in die Jahre gekommen und Thomas, der den gleichen Vogel hat wie ich, hat ­gemeint: ,Wenn Du für die Firma Elektroautos kaufst, schau‘ ich, dass Du einen super Service kriegst und wir machen den Blödsinn miteinander.‘“ Im Winter 2011 bekam „der Blödsinn“ ein Gesicht in Form des ersten Renault Kangoo Z.E.. Da zu jenem Zeitpunkt noch nicht einmal die Ladestation fertig war, fädelte Spenglermeister Koch einfach ein Kabel bei der Tür hinaus, notdürftig montiert auf einer Halteverbotstafel. Die anfängliche Skepsis der Mitarbeiter wich bald großer Begeisterung, Koch selbst schaffte für sich als nächstes einen Twizy an, versah ihn mit einer Freisprecheinrichtung und fuhr einen Sommer lang in der Stadt umher, bis ihm „im Herbst kalt geworden ist, mein Zoe noch nicht da war, also hab ich einen weiteren Kangoo gekauft.“

Da waren es noch zehn …

Die Flotte wuchs beständig, heute umfasst sie sechs Renault Kangoo Z.E., zwei Zoe, einen Twizy und einen BMW i3, die größte E-Flotte Österreichs eben, „in Relation“, wie Koch erläutert, „denn von zwölf Autos im Fuhrpark sind zehn Elektroautos. Diesen Prozentsatz schafft nicht mal die Post, obwohl die sehr ambitioniert ist.“ Selbstverständlich arbeitet der umtriebige Spenglerei-Chef daran, seinen ­eigenen Prozentsatz zu erhöhen. Als nächstes Mobil im Visier hat er daher einen Lkw, den Fuso Canter E-Cell, der in den nächsten ein­einhalb ­Jahren kommen soll und den derzeitigen Koch’schen Diesel-Bruder, der dann 15 Jahre alt sein wird, ablösen wird. Abgesehen von der deutlich leiseren und emissionsfreien Art der Fortbewegung mit den Elektrofahrzeugen freut sich Koch über hohe Einsparungen. Für den früheren Fuhrpark, der ebenfalls zwölf Autos umfasste, allerdings alle mit Verbrennungsmotoren, betrugen die kompletten Kosten 100 bis 110.000 Euro pro Jahr. Jetzt macht dieser Faktor 60 bis 70.000 Euro pro Jahr aus, kommendes Jahr werden sie sich laut Koch bei 50.000 Euro einpendeln, da dann auch die Leasing­raten wegfallen.

„Wir hatten bislang auch keine aufregenden Reparaturen“, ergänzt der E-Experte, „das Einzige, was permanent kaputt wird, ist der Zigaretten­anzünder, weil dauernd die Handys geladen werden. Und die Außenspiegel werden abgefahren – was unabhängig von der Motorisierung ­passiert. Mittlerweile fallen erste Kleinigkeiten wie verstopfte Düsen an, aber Renault ist da sehr auf Zack, die haben mittlerweile enorme Erfahrung und stellen uns auch sofort ein Ersatzauto zur Verfügung.“

Reicht weit genug

Die Reichweite der einzelnen Fahrzeuge, nach wie vor Haupt­argument mancher E-Mobilitätsskeptiker, sei sehr unterschiedlich und ­hänge logischerweise von der Jahreszeit und der Beladung ab, schildert Koch, „und wir sind immer voll beladen, aber im Sommer kommen die Kangoos dennoch auf 80 bis 100 Kilometer Reichweite. Im Winter kann es schon passieren, dass sie auf knapp 60 fallen, aber selbst das ist kein Problem, da 95 Prozent unserer Arbeiten im Großraum Wien stattfinden.“

Und das geht sich immer irgendwie aus, vor allem wissen die ­Mitarbeiter nach fünf Jahren Erfahrung auch, wo sie laden können ­beziehungsweise hängen die Autos auch bei den Steckdosen der ­Kunden an. „Wir haben zwar angeblich 400 Ladepunkte in ganz Wien“, so Koch, „aber nur zehn davon sind für unsere Kangoos nutzbar, weil wir in die Garagen aufgrund der Aufbauten nicht hinein­kommen. Außerdem sind fünf davon abgedreht. Das hat die Leute von Wien Energie übrigens sehr verwundert, als ich ihnen das mitgeteilt habe“, amüsiert sich der Spenglerei-Chef. „Woher ich das weiß, wollten’s wissen, darauf ich: ,Weil wir jeden Tag mit E-Autos fahren!‘“ Ein Punkt ­übrigens, den der Elektromobilitäts-Profi, der aufgrund seiner langjährigen ­Erfahrungen und Kenntnisse auch gern zu Vorträgen eingeladen wird, heftig kritisiert: „Die meisten Mobilitätsstudien beziehen sich auf Mess- und nicht auf Praxiswerte. Und auf Autos im Neuzustand, egal ob mit E-Antrieb oder Verbrennungsmotor. Das stimmt ja hinten und vorn nicht.“

Mittlerweile hat Koch übrigens entsprechende Verträge mit zwei Energiea­nbietern abgeschlossen, damit Mitarbeiter auch zu Hause ­laden können. „Wir suchen einen Ladepunkt in der Nähe der Wohnung und dort lädt das Auto über Nacht.“

Mit der Kraft der Sonne

Kochs Energiekonzept, mit dem er seit 2012 über hundert ­Tonnen CO2 eingespart hat, hört natürlich nicht bei den Autos auf, für die es mittlerweile im Innenhof der Spenglerei­ ­sieben Lade­stationen gibt. Zeitgleich mit der Anschaffung der E-Autos stieg der Unternehmer auch auf Solarenergie um und hat heute auf dem Firmendach eine 22-kW-Fotovoltaikanlage, mit der er derzeit 70 Prozent des gesamten Bedarfs erzeugt. „Da müssen wir noch auf die Batterie­technologie warten, bis wir auf 100 Prozent sind. Auch die Aufteilung passt noch nicht, derzeit verkaufen wir 80 Prozent des Stroms und nutzen 20 Prozent selbst, weil wir azyklisch laden.“

Ziel-gerecht

Bei aller E-Euphorie bleibt Koch realistisch. „Ich glaube dennoch nicht, dass die E-Mobilität das Allheilmittel ist. In den Urlaub fahre ich selbst mit einem Diesel, weil ich sonst nicht dorthin komme, wohin ich will. Auch für jemanden, der täglich 300 Kilometer fährt, ist das E-Auto nicht ideal. Aber in der Stadt, vor allem im Lieferverkehr und bei Betrieben ist es sicher die beste Lösung.“

Einen Praxistipp hat Koch zum Schluss auch noch parat: „Legen Sie sich nur dann ein E-Auto zu, wenn es zumindest einen fixen eigenen Ladepunkt gibt, ent­weder in der Firma oder ­daheim.“ •

(Petra Mühr)











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