Ausgabe
04
2017


Service

Der Flotte-Mann

vom Bäckerlehrling zum Logistikleiter: Gerhard hajszan managt seit Jahrzehnten den Fuhrpark der Bäckerei "Der Mann". Wir besuchen den chef der Brötchen-Boliden in der Firmenzentrale in der perfektastraße in Wien 23, von wo aus er im wahrsten sinne des Wortes die Fäden zieht.

Die roten Fähnchen kennzeichnen unsere Filialen. Rot-weiß sind jene, die sonntags geschlossen haben. Die grünen Stecknadeln wiederum sind die Pensionistenheime, die wir beliefern." Gerhard Hajszan steht vor auf einer gut vier Quadratmeter großen Landkarte, die Wien und Umgebung darstellt, und deutet auf die vielen verschiedenfarbigen Wimpel und Nadeln, die in dem Plan stecken, verbunden durch bunte Wollschnüre.

Hajszan ist Logistikleiter der Wiener Bäckerei "Der Mann", Fähnchen und Fäden markieren die Touren der Bäcker-Flotte. Was auf den ersten Blick nach veralteter Methode aussieht, ist ein ausgeklügeltes und bestens bewährtes System, um die diffizilen Fahrtenpläne des Back-Unternehmens zu erstellen. "Wir hatten schon so viele Software-Anbieter bei uns aber das schafft keiner", erklärt Hajszan sein Excellisten-und-Landkarten-Verfahren. "Wären wir eine Spedition, die in ganz Österreich unterwegs ist, dann ja. Aber wir sind zu 95 Prozent in Wien unterwegs, das muss man kennen."

Hajszan tut das. Der Logistikleiter kennt alle Strecken, weiß genau, wie lang man für welche Tour braucht und kann "auf zehn Minuten auf oder ab sagen, wo welches Fahrzeug gerade ist."

von der pike auf

Kein Wunder. Seit 41 Jahren ist Hajszan im Unternehmen. Am 2. August 1976 begann er als Konditor- und Bäckerlehrling, damals noch am alten Standort in der Perchtoldsdorferstraße, ebenfalls im 23. Bezirk. Nachdem der engagierte junge Mann 1980 ausgelernt war, fragte ihn der Chef, ob er die Fahrer vertreten wolle. Hajszan wollte und ist seither für die gesamte Logistik zuständig. Er erinnert sich:"Das war total interessant. Ich habe alle Touren gelernt. Wir haben damals noch selbst Rechnungen geschrieben und kassiert, wir waren ja Verkaufsfahrer."

Die Fahrer mussten die Wünsche ihrer Kunden wissen und diese in der Produktion bestellen, waren selbst wie Kunden. Mittags, wenn sie von den Lieferdiensten zurückkamen, wurde abgerechnet, "da musste das Geld im Börsel stimmen." Die Kunden setzten sich damals vorwiegend aus Greißlern zusammen, Hajszan kannte sie alle, der Kontakt war sehr persönlich: "Die eine Greißlerin zum Beispiel, die schon längst in Pension gewesen wäre, hat jeden Tag bestellt und oft gesagt: ,Die Rechnung zahl" ich Dir aber erst, wenn Du mir die Zwetschken brockst." Also bin ich in ihren Garten gegangen und hab" die Zwetschken gepflückt", schmunzelt er und fügt hinzu: "Heute, wenn wir unsere Jahresfeier haben, kenne ich kaum einen unserer Mitarbeiter."

Back-Boom

Das Unternehmen ist in den vergangenen vier Jahrzehnten ordentlich gewachsen. Aus einer Produktionsstätte, 70 Mitarbeitern und acht Fahrzeugen im Jahr 1980 sind 87 Filialen mit rund 800 Mitarbeitern geworden (60 davon, Fahrer und Kommissionierer, gehören zu Hajszans Logistikteam), mit 18 Lieferfahrzeugen im eigenen Fuhrpark, darüber hinaus sind 15 Subfrächter beschäftigt. Weiters fallen die 22Pkw der Filialinspektoren, Büroleitung oder des Chefs in Hajszans Zuständigkeit. Um 2:30 Uhr morgens, wenn die meisten Menschen noch tief schlafen, beginnt für den Logistikchef der Dienst. Ab drei Uhr startet die erste Gruppe an den Laderampen und füllt die Fahrzeuge mit Körben voll frisch gebackenem Brot und Gebäck oder Teig zum Selbstbacken. Um 3:20 Uhr legt die zweite Gruppe los, parallel dazu die Subfrächter. Jede Truppe ist etwa dreieinhalb Stunden unterwegs und beliefert die firmeneigenen Filialen, Supermärkte und andere Kunden. Greißler ist keiner mehr dabei.

cool bleiben

Transportiert werden dieüber 350 verschiedenen Artikel zu 97 Prozent mit Mercedes Sprinter. "Ich hab" etliche Marken und Modelle ausprobiert. Die Sprinter sind die zuverlässigsten und für uns vom Service und Wiederverkaufswert her am geeignetsten." Bevor die Fahrzeuge, die aktuell etwa zehn Jahre lang in Betrieb sind, in Gerhard Hajszans Fuhrpark landen, werden sie direkt von Mercedes zur Schuh Karosseriebau GmbH in Wiener Neustadt gebracht, die jedes Fahrgestell mit einem speziellen Kühlkoffer ausstattet. Hajszan erhält schließlich das komplett fertige Fahrzeug, das dann etwa einen Wert von 56.000 Euro hat.

Anfangs nimmt der Fuhrparkmanager die Vier-Jahres-Garantie von Mercedes in Anspruch, danachübernimmt eine kleine Werkstätte die Servicierung der Autos. Für die Pflege ist jeder Fahrer selbst zuständig. "Wir haben eine eigene Waschstraße, eine freie Halle mit Staubsaugern, das Reinhalten muss jeder selbst erledigen."

XXL-visitenkarte

Aufgrund strenger Hygienebestimmungen haben Fahrzeuge und Transportkörbe ohnehin stets picobello zu sein und werden regelmäßig kontrolliert. Zudem sind die Lieferwägen das Aushängeschild der Firma: "Ich sage immer: Unsere Visitenkarten sind fünf Meter groß. Und da fährt nicht der Mayer oder der Müller, sondern es ist immer die Firma Mann, die falsch parkt,zu schnell fährt oder unfreundlich ist." Am liebsten sind Hajszan daher die Fahrer, mit denen er "einen Monat lang nichts reden muss", das möge bitte nicht falsch verstanden werden, meint er, aber "da weiß ich, dass alles passt."

Der Leiter der Logistiküberträgt seinen Fahrern zwar viel Eigenverantwortung, lässt sie allerdings nie aus den Augen, daher lautet seine Flottenmanagement-Empfehlung auch: "Immer dahinter sein und dranbleiben." Der Fuhrpark-Profi hat sämtliche Daten nicht nur ständig im Blick, sondern sieht aufgrund exakter Dokumentation und eines hochmodernen Logistiksystems auch auf einen Knopfdruck Verbrauch, Werkstattaufenthalte, Schäden... einfach alle Posten und Kosten. Sollte einer seiner Mitarbeiter dahingehend aus der Reihe tanzen oder seinen Freiraum ausnutzen, dann kann es schnell passieren, dass Hajszan plötzlichdaneben sitzt und mitfährt. Was er im Übrigen gern öfter täte, denn manchmal gehen ihm die Touren ab. "Früher bin ich zweimal pro Jahr mit jedem Fahrer mitgefahren. Das geht heute nicht mehr, mit dem ganzen Büroaufwand, Lebensmittelkontrollen, Reinigungspläne, das Personal deshalb hilft mir einer meiner Mitarbeiter dabei. Denn man darf die Touren nie ruhen lassen, man muss immer auf dem Laufenden sein!" Vor allem dann, wenn man wie Gerhard Hajszan und sein Team dafür sorgt, dass die Frühstückskipferl rechtzeitig und frisch auf unseren Tischen sind!

Fuhrpark "Der Mann"

Marken: Mercedes, Ford, Opel, Kia, Audi

Pkw: 22

Transporter: 18

1 Servicefahrzeug

Laufleistung Pkw insgesamt: 150-180.000 km bzw. 7-8 Jahre

Laufleistung Nutzfahrzeuge insgesamt: 250-300.000 km bzw. 10 Jahre











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