Ausgabe
01
2017


Umwelt

Alternative Antriebe müssen sich rechnen

Im Zuge einer spannenden Diskussion bei der GSV -derÖsterreichischen Gesellschaft für Straßen-und Verkehrswesen - sprachen Ministeriumsvertreter und Fuhrparkmanager über die Bedeutung von alternativen Antrieben. Eines einte alle Diskutanten, sämtliche Antriebsformen haben nur eine Chance, wenn sie ökonomisch sind.

Alternative Antriebe sind und bleiben ein heißes Eisen, an dem sich vielfach die Geister scheiden. Während die einen voll auf die E-Mobilität in all ihren Ausprägungen schwören, zweifeln die anderen die ökologische Sinnhaftigkeit des batterieelektrischen Fahrens stark an. Fakt ist, dass Österreich hier ein von der Natur bevorzugtes Landist, schließlich ist ein Elektroauto nur dann wirklich sauber, wenn auch der Strom sauber erzeugt wird. Während Studien besagen, dass es aus ökologischer Sicht zum Beispiel in Deutschland fast keinen Unterschied macht, ob man konventionell oder elektrisch fährt, ist man aufgrund der Braunkohlekraftwerke in Polen sogar der größere Umweltsünder, wenn man aufs E-Auto setzt. Die Mobilitätsplattform GSV lud kürzlich zum Forum "Fuhrparkmanagement mit alternativ betriebenen Kraftstoffen", das große Interesse machte deutlich, wie stark derzeit vor allem die Elektromobilität im Fokus des Interesses steht.

Bescheidene Nachfrage bei der BBG

Besonders interessant und offen war das Referat von Jürgen Jonke von der BBG, der Bundesbeschaffungsgesellschaft. So sei das Thema "Alternativ betriebene Kraftfahrzeuge" bereits im Jahr 2007 auf dringenden Kundenwunsch ausgiebig behandelt worden, inklusive sieben Vergabeverfahren und einem großen Testtag. "Das Ergebnis war dann allerdings ernüchternd", so Jonke, "die Vertragsausschöpfung lag bei weniger als drei Prozent, was weniger als 25 Fahrzeugen entsprochen hat." Aktuell sei vielfach auch eine Tendenz zum "Feigenblatt-Fahrzeug" zu erkennen: "Vielfach werden Alternativfahrzeuge für Fototermine angeschafft, den Großteil der Zeit verbringen sie dann aber in der Garage." Das sei aber auch auf betriebswirtschaftliche Aspekte zurückzuführen, wenn das alternative Auto schlichtweg zu teuer im Unterhalt sei. Besonders bitter: Für Regierungsfahrzeuge gäbe es Fahrzeugbundles, sprich, wenn ein Ministerium etwa einen Audi A8 anschafft, gibt"s einen e-Golf, im Falle eines 7er BMW einen i3 zu - so Jonke wörtlich -"verboten günstigen Konditionen" dazu. Doch auch hier gäbe es unverständlicherweise wenig Interesse. Die BBG gibt aber dennoch nicht auf und hält weiter an alternativ betriebenen Fahrzeugen fest, dank des mittlerweile höheren Akzeptanzgrades und des größeren Angebotes an Fahrzeugen sei das Interesse mittlerweile aber gestiegen und so sind nach aktueller Bedarfserhebung aktuell 756 Fahrzeuge unverbindlich angefragt. Rund 70 Prozent davon als E-Autos, ein Viertel Erdgasfahrzeuge und die restlichen fünf Prozent teilen sich auch Plug-in-Hybride, Wasserstoff- und Range-Extender-Fahrzeuge auf. "Für unsere Kunden muss in erster Linie die Wirtschaftlichkeit gegeben sein, zudem wünschen sie sich einen zentralen Ansprechpartner. Und natürlich muss der Zugriff auf aktuellste Fahrzeugmodelle unterschiedlicher Hersteller gegeben sein, was wir mit unseren Ausschreibungen auch gewährleisten", so Jonke. Aktuell laufen die Verhandlungen mit den noch verbliebenen Bietern zur Klärung von Leistungsumfängen und Konditionen, im März soll der Zuschlag erfolgen und im April sollen die Autos dann bei der BBG abrufbar sein.

Region Klagenfurt als Vorreiter

In der anschließenden, sehr interessanten Podiumsdiskussion sprachen Gerald Miklin vom Magistrat Klagenfurt, Horst Mooshandl von der Österreichische Post, Hannes Pöcklhofer vom Land Oberösterreich und Peter Skorsch vom Innenministerium über ihre Erfahrungen aus der Praxis. Die Modellregion Klagenfurt hat bereits einige Kenntnisse mit E-Autos vorzuweisen, so Miklin: "Wir hatten 15 elektrische Mercedes A-Klasse über viereinhalb Jahre im Einsatz, mit denen wir grundsätzlich auch zufrieden waren. Allerdings war es damals so, dass die Batteriekapazität jener Fahrzeuge, die viel gefahren wurden, deutlich über jener von den Autos lag, die nur selten bewegt wurden." Aktuell gilt es, die Reduktion des Fuhrparks mit der E-Mobilität in Einklang zu bringen: "Unser Fuhrpark soll um ein Drittel verkleinert, der verbleibende Rest soll zur Hälfte elektrisch betrieben werden. Allerdings haben unsere Fahrzeuge-und das sind nicht nur Pkw -sehr unterschiedliche Einsatzzwecke, die es in der Planung natürlich zu berücksichtigen gilt." Vorreiter war Klagenfurt bei einem der ersten rein elektrisch betriebenen Busse in Europa: "Das Fahrzeug ist eigentlich ein Prototyp und seit Juli 2013 im Einsatz, nach zweiJahren ist die Batteriekapazität allerdings auf nur noch 46 Prozent gesunken. Mittlerweile gibt es ein Update und es reicht, das Fahrzeug in der Mittagszeit aufzuladen."

Unterschiedliche Herausforderungen bei der Post

Horst Mooshandl, bei derÖsterreichischen Post auch für den Fuhrpark verantwortlich, hat in seinem Unternehmen von insgesamt 10.000 Fahrzeugen 1.400 rein elektrisch im Einsatz: "E-Fahrzeuge sind für uns kein Showcase, sondern müssen im Betrieb eingesetzt werden und sich auch rechnen, das Spannungsfeld zwischen Ökologieund Ökonomie ist natürlich gegeben." In Wien sei die Briefzustellung bereits jetzt komplett CO2-neutral, bei der Paketpost funktioniere das mangels geeigneter Fahrzeuge aber noch nicht und auch die einspurigen Fahrzeuge seien aktuell eher im experimentellen Stadium angesiedelt. Große Herausforderungen gibt es bei der Infrastruktur: "Gerade in der Stadt haben wir wenig Stellfläche zurVerfügung, da ist das Anstecken an die Ladestationen schon eine große Herausforderung." Kein Hehl macht Mooshandl auch aus der schwierigen wirtschaftlichen Darstellung der Fahrzeuge: "Niemand weiß, was diese Autos in acht Jahren wert sind, ohne Förderung wäre die E-Mobilität für uns jedenfalls wirtschaftlich nicht darstellbar." Einen Wunsch hat Mooshandl an die Hersteller: "Wir würden hier gern direkte Partnerschaften eingehen und die Autos für unseren Einsatzzweck adaptieren. Ein Punkt wäre die Drosselung der Fahrzeuge, aufgrund der guten Beschleunigung steigt aktuell der Reifenverschleiß, was sich natürlich negativ auf die TCO niederschlägt."

Untauglich für viele Einsatzfahrzeuge

Für Generalmajor Peter Skorsch vom Innenministerium steht zunächst auch die wirtschaftliche Komponente im Vordergrund, abgesehen davon sind es aber die oftmals speziellen Anwendungen, die der E-Mobilität nicht entgegenkommen: "Wir haben zum Beispiel bei Einsatzfahrzeugen sehr stromintensive Anforderungen, wodurch die Autos während eines Einsatzes nicht abgestellt werden. Beim E-Auto läuft man Gefahr, dann mit leerem Akku liegenzubleiben. Darüber hinaus ist der Stromanschluss oftmals nicht ausreichend, um mehrere Fahrzeuge gleichzeitig schnell zu laden." Ein Punkt, dem auch Mooshandl zustimmt: "An größeren Standorten entstehen Kosten von hunderttausenden Euro durch stärkere Trafos."

Wien: Laden zum Pauschalbetrag, gratis Parken

Mit Spannung wurde dann dem Vortrag von Harald Bekehrti von der Stadt Wien gelauscht, schließlich wurde im Vorjahr ja doch beschlossen, eine öffentliche Ladeinfrastruktur ins Leben zu rufen. Die Idee dahinter sei aber, eine Möglichkeit zum Laden vor allem Besuchern der Stadt zu schaffen, denn den Fahrzeugbestand zu erhöhen, soll ja bekanntlich tunlichst vermieden werden. "Wir arbeitenderzeit an einem barrierefreien Abrechnungssystem, eine App soll ermöglichen, mit allen Vertragspartnern zu laden", so Bekehrti. Während des Ladens wird auch keine Parkgebühr eingehoben, wie teuer das Laden selbst sein wird, ist noch offen, es wird aber einen Pauschalbetrag pro Stunde für die 11-Kilowatt-Säulen geben. Fest steht, dass die Fahrzeuge, die nach abgeschlossener Ladung den Platz blockieren, kostenpflichtig entfernt werden sollen. Übrigens: Die Idee, bei jeder Straßenlaterne eine Steckdose zum Laden zu installieren, sei zwar gut, lasse sich in Wien aber nicht umsetzen, da dieStromstärke bei Weitem nicht ausreicht, ein E-Auto zu laden.

Hinweis für Unternehmer:

Elektro-Autos sind seit dem 1. Jänner 2016 vorsteuerabzugsberechtigt. Zusätzlich sind die Fahrzeuge für Mitarbeiter vom Sachbezug befreit. Aktuell gibt es eine Bundesförderung in der Höhe von 3.000 Euro, einige Bundesländer bieten zusätzlich eine Landesförderung an.

Welcher Antrieb für welchen Einsatzzweck?

Wie Sie sehen, ist die Zahl an E-Autos sowie an Plug-in-Hybrid-Fahrzeugen in den letzten Monaten stark gestiegen. Ob diese alternativ betriebenen Autos auch für Sie die richtige Wahl sind, hängt ganz von Ihrem Fahrprofil ab. Die Reichweitenangaben sind vor allem im Winter mit Vorsicht zu genießen, wenn Sie auf der sicheren Seite sein wollen, sollten Sie bei E-Autos rund 50 Prozent der Normreichweite abziehen, selbiges gilt für die elektrische Reichweite der Plug-in-Modelle. Falls Sie sich für einen Plug-in-Hybriden entscheiden, so sparen Sie freilich nur dann beim Fahren, wenn Sie die Batterie regelmäßig aufladen. Für Vielfahrer sind in der Praxis die jeweiligen Diesel-Modelle in der Regel sparsamer als Plug-in-Fahrzeuge, die mit leerer Batterie unterwegs sind. Um die Fahrzeuge auf dieser Doppelseite sinnvoll zu betreiben, ist eine Ladestation zu Hause und/oder in der Firma unabdingbar.











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