Ausgabe
09
2016


Auto

Mit Diesel und scharf

EinÖlbrenner in einem italienischen Sportwagen? Was nach Frankensteins Monster klingt, ist in Wahrheit das beste Reiseauto, das derzeit in Italien gebaut wird.

Meinungenändern sich. Und das ist gut. So stellte Sergio Marchionne, Kopf des Fiat-Chrysler-Imperiums, zu dem auch Maserati gehört, in Aussicht, dass sich die Italiener doch nicht von der E-Mobilität beziehungsweise dem Hybridantrieb abwenden werden, sondern sich verstärkt "auf das Experiment" einlassenwürden. Die Überraschung dabei: Die Fiat-Tochter Maserati spielt dabei eine Hauptrolle.

Kommt der E-Antrieb?

So verriet der Konzernchef, dass es ab 2019/20 ein kleines Maserati- Stadtauto mit E-Antrieb sowie eine Elektro-Version des Alfieri geben könnte, den die Italiener bereits 2014 als Studie auf dem Genfer Autosalon präsentiert haben. Diese Aussicht mag für viele Fans der Marke eine ähnliche Watschen sein, wie es die Einführung des ersten Dieselmotors im Ghibli 2013 darstellte. Kaum ein Kritiker hat den mächtigen V6-Selbstzünder jedoch jemals ausprobiert, disqualifiziert seine Aussagen also bis heute durch Unwissenheit.

Selbstzünder mit Charme

Die Wahrheit ist jedoch: Ein angenehmeres Reiseauto haben die Italiener derzeit nicht im Angebot. Wieso? Weil der 275 PS starke Diesel im Leerlauf verführerischer brabbelt als manches Benziner-Pendant und weil er mit 600 Newtonmeter Drehmoment flott anschiebt (6,3 Sekunden auf Tempo 100). Mit einer Außenlänge von 4,97 Metern und einem riesigen Wendekreis (12,40 Meter) ist er zwar alles andere als ein City-Flitzer, auf der anderen Seite macht ihn der lange Radstand, die hervorragende Innenraumdämmung, das lederbeschlagene Cockpit und die feinen Sportsitze zum idealen Gran Turismo. Kurzum: Der Ghibli mit Diesel ist ein luxuriöser Kilometerfresser, in dem sich Tempo 180 anfühlt wie 90 km/h in einem VW Golf. Das Verführerische an dem Autoist die Tatsache, dass man schnell unterwegs ist, aber nicht das Gefühl hat, zu rasen. Wie zur Bestätigung dieses Eindrucks pendelt sich der Verbrauch am Ende unserer 500-Kilometer-Tour bei 8,1 Litern ein, was ein Wahnsinn ist. Im positiven Sinn, versteht sich. Und weil die Italiener dem Diesel sportliche Schärfe einhauchen konnten, werden sie das mit dem E-Antrieb auch schaffen ...











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