Ausgabe
05
2016


Freizeit

Falsche Vermutung

Im Porsche 911 schreit kein Saugermotor mehr im Heck, sondern ein Sechszylinder-Boxer mit Bi-Turboaufladung. Geht dadurch die Klasse verloren? Mitnichten, vor allem nicht im stärksten 4S Cabrio, das mit seiner rotzfrechen Rabauken-Akustik für Gänsehaut sorgt.

Der Zündschlüssel sitzt immer noch links neben dem Lenkrad, der Motor ist noch immer ein Sechszylinder-Boxer, sein Klang verursacht noch immer Gänsehaut und die Fahrleistungen treiben einem nach wie vor die Freudentränen in die Augen. Was ist also dran an der Vermutung, dass der neue Elfer aufgrund des geschrumpften Hubraums (jetzt 3,0, vorher 3,8 Liter) und der neu eingeführten Zwangsbeatmung durch zwei Turbolader (vorher keinen) viel von seiner kultigen Klasse verlieren wird? Sagen wir so, ziemlich wenig. Schon auf den ersten Kilometern wird nämlich klar, der Elfer ist immer noch ein waschechter Sportwagen. Und in manchen Situationen sogar besser als sein Vorgänger mit dem Saugmotor.

Serpentinen-Turbo und Sound-Sex

Auf den kurvigen Straßen der Buckligen Welt in Niederösterreich haben wir uns mit einem Fahrer des Vorgänger-911er nämlich ein aufschlussreiches Hatzerl geliefert. Die Quintessenz: Dank zweifacher Turbobestückung haben wir dem 997-Lenker am Kurvenausgang jedes Mal ein paar gefühlte Sekunden abgenommen. Denn während unser 991-911er bereits im Drehzahlkeller massiv Vorwärtsschub produzierte, brauchte der Vorgänger Drehzahlen jenseits der 5.000 Touren, um nicht den Anschluss zu verlieren. Und in puncto Sound? Klar, das metallisch-knurrende Singen ist einem kraftvollen Bollern gewichen, was die Faszination aber in keinster Weise schmälert. Fakt ist: Gerade im offenen Cabriolet hören sich lange Tunneldurchfahrten dank des rotzfrechen Dreiliter-Bi-Turbo-Sounds genauso sexy an wie vorher -nur eben jetzt in einer leicht veränderten Tonfarbe. Und das neue Triebwerk hat noch einen weiteren Vorteil: Mit einem Durchschnittsverbrauch von rund 8,5 Litern bei normaler Fahrweise ist der Elfer sparsamer als jeder seiner Ahnen.

Feines Millionärsspielzeug

So positiv wie dieVeränderungen beim Motor sind auch zahlreiche Detailnachbesserungen im Innenraum beziehungsweise beim Infotainment zu beurteilen: So ist etwa das Menü des neuen Navigation- und Multimediasystems logischer aufgebaut als vorher. Damit ist es zwar immer noch nicht perfekt, aber eben deutlich besser. Ebenfalls neu: Am Lenkrad prangt nur an sehr prominenter Stelle ein Drehregler, über den sich die Fahrmodi (von Normal bis Sport Plus) einstellen lassen. Das ist zwar optisch nicht die ästhetischste Lösung, aber praktisch, weil man nun wirklich immer die Hände am griffigen Lederlenkrad lassen kann.Der Wermutstropfen zum Schluss: Mit knapp 190.000 Euro (inklusive aller Extras) ist unser Testwagen echt ein Spielzeug für Millionäre ...











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