Ausgabe
01
2015


Umwelt

Die Katholiken sehen Rot

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat zum wiederholten Male die Dienstautos der deutschen Bischöfe angeschaut. Die Ergebnisse sind interessant, aber die Interpretation der DUH ist an Polemik kaum zu überbieten.

Papst Franziskus gilt als bescheiden. Seine Dienstwägen stammen von Ford und Fiat. Und bei Staatsbesuchen lässt er sich auch schon mal in einem angegrauten Peugeot 407 chauffieren. Seit wenigen Wochen hat das Oberhaupt der Katholischen Kirche außerdem einen knapp 30 Jahre alten Renault 4 im Fuhrpark. Der Wagen, ein Geschenk eines Dorfpfarrers, soll rund 300.000 Kilometer auf der Uhr haben.

Die neue Bescheidenheit

All diese Autos repräsentieren mehr oder weniger stark die "neue Bescheidenheit", die Franziskus seit seiner Wahl predigt und machen deutlich, warum es dem Kirchenoberhaupt "weh tut", wenn Bischöfe und Kardinäle protzige Dienstwägen fahren. Und das dem in Deutschland teilweise so ist, hat erneut der "Dienstwagencheck" der Deutschen Umwelthilfe (DUH) ergeben.

Jährliche Bewertung der Dienstautos

Doch von Anfang an: Wie jedes Jahr bewertet die DUH, welche Dienstwagen die 52 obersten deutschen Manager in Gottes Mission für ihre beruflichen Tätigkeiten verwenden. Dabei beurteilt die Institution den Spritverbrauch beziehungsweise die CO2-Emissionen der Fahrzeuge. Das Ergebnis kurz zusammengefasst und etwas schärfer formuliert: Die regionalen Kirchenoberhäupter der evangelischen Kirche fahren überwiegend sparsameDienstlimousinen. Die "Roten Karten" für höhere Emissionen gingen hingegen ausschließlich an katholische Bischöfe und den Malteser Hilfsdienst.

130 Gramm CO2 als Grenzwert

Als Bewertungsgrundlage zog die DUH dabei den Grenzwert von 130 Gramm CO2/km für Neuwagenflotten heran. So bekamen jene eine "Grüne Karte", die diesen Wert einhalten oder unterschreiten. Wobei Überschreitungen mit einer "Gelben" oder "Roten Karte" bewertet wurden. Rot sahen übrigens auch jene, die die Auskunft verweigerten. 2014 stieg die Zahl der "Grünen Karten" von 14auf 25, während die Zahl der "Gelben Karten" von 20 auf 19 sank. Insgesamt gab es 2014 8 "Rote Karten" - das sind 5 weniger als im Vorjahr. Trotz der positiven Entwicklung im Vergleich zu 2013 scheut Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der DUH in der Beurteilung der Ergebnisse keine harten Worteund betont: "Die Botschaft von Papst Franziskus zu mehr Bescheidenheit und Umweltschutz beim Fahrzeugpark ist bei seinen deutschen Statthaltern offensichtlich nicht angekommen. Interessant ist, dass die protestantischen Kirchenleiter dem neuen Papst näher stehen."

Halleluja, er fährt einen Hybrid!

So habe laut Resch beispielsweise der katholische Essener Bischof Overbeck "immer noch nicht verstanden, dass auch die obersten Manager mit göttlichem Auftrag irdische Klimaschutzregeln zu befolgen haben". Der Vorstand der katholischen Landeskirche fährt einen VW Phaeton, der 224 Gramm CO2 pro Kilometer emittiert. Das war der DUH eine "Dunkelrote Karte" wert.

Nachgeschmack? Etwas bitter!

Weil die DUH aber nur den CO2-Ausstoß bewertet, hinterlässt die Auswertung auch einen populistischen Nachgeschmack: So wird etwa der Landesbischof Jochen Bohl von der DUH als "positiver Spitzenreiter" hervorgehoben, weil sein Mercedes Benz E300 BlueTEC Hybrid nur 99 Gramm CO2 pro Kilometer ausstößt. Das ist in der Tat wenig. Aberbei allem Respekt, eine in der Basisversion knapp 53.000 Euro teure Limo ist nicht gerade das, was landläufig als bescheiden gilt. Vor allem, weil man davon ausgehen darf, dass der Dienstwagen aufgrund der optionalen Extras deutlich mehr gekostet hat.

Ist weniger CO2 wirklich bescheidener?

Dieser "Spitzenreiter" macht also nur eines deutlich, das Ranking ist pure Polemik, weil die DUH sprichwörtlich Äpfel mit Birnen vergleicht: Wir kapieren nämlich nicht, wieso der Papst mit seinem 30 Jahre alten -und mit Verlaub -stinkenden R4 in den Augen der DUH kein Klimasünder ist. Gleichzeitig ist uns unklar, wieso der Bischof, der einen viel teureren Neuwagen fährt, der zwar viel weniger CO2ausstößt als der Papst-Oldtimer, ihm in puncto Bescheidenheit nicht unähnlich sein soll.











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